Und was zahlst Du? „Segregation“ im Waldstraßenviertel

„Ich zahle 14 Euro Miete pro Quadratmeter – und du?“ So oder so ähnlich schrieb es das Stadtmagazin „Kreuzer“ vor einiger Zeit auf eine Postkarte, die das Waldstraßenviertel repräsentieren sollte. Eine Frechheit, fanden einige Bewohner, die nur um die 6 Euro zahlen, oft weniger, als zum Beispiel in der Südvorstadt oder in Plagwitz verlangt wird.

Aus einer kommunalen Bürgerumfrage im Jahr 2011 ging hervor, dass das durchschnittliche Nettoeinkommen im Waldstraßenviertel (Zentrum-Nordwest) mit 1406 Euro im städtischen Vergleich am höchsten ist – zum Vergleich Leutzsch (1133 Euro), Mölkau (1210), Südvorstadt (1157 Euro).*

Aber ist das ein Grund, die Bewohner des Viertels pauschal als Pfeffersäcke abzustempeln oder als Ansammlung wohlhabender Anwaltsgattinnen mit SUV-Untersatz? Und doch wird das gelegentlich getan – siehe Kreuzer. Dessen Autorin meinte auch zu wissen, dass das einzige Problem, das die Leute hier haben, das fehlender Parkplätze sei.

Was auch immer die Auswahlkriterien waren: Geografie-Studentinnen und -Studenten der Leipziger Uni haben nun neben Lindenau und Schleußig das Waldstraßenviertel ausgewählt, um hier eine vergleichende Untersuchung anzustellen zu dem Thema „Segregation in Leipzig – Ausmaß und Problemwahrnehmung städtischer Akteure“.

Segregation?

„Segregation“ bezeichnet in der Soziologie laut Duden die „Trennung von Personen[gruppen] mit gleichen sozialen (religiösen, ethnischen, schichtspezifischen u.a.) Merkmalen von Personen[gruppen] mit anderen Merkmalen, um Kontakte untereinander zu vermeiden.“

Mit Zettelchen wie bei der WG-Zimmer-Suche am Schwarzen Brett werben die Wissenschaftler derzeit um Teilnehmer an einer Online-Befragung. Darauf ein Internetlink, dieser hier.

Wenn Sie also in Schleußig, Lindenau oder Zentrum-Nordwest (Waldstraßenviertel) wohnen, sollten Sie der Befragung teilnehmen. Nach Angabe der Uni sind die Fragen in maximal 5 Minuten beantwortet. Zudem wird versichert, dass sämtliche Angaben allein wissenschaftlichen Zwecken dienen und absolut vertraulich und anonym behandelt werden.

Für die Bewohner des Waldstraßenviertels – und nicht nur dür diese – dürften die Resultate der Untersuchung interessant sein. Vielleicht bestätigen sich ja einige Vorurteile, womöglich aber auch nicht.

Quellen: Einkommensverteilung in Leipzig – alle Stadtteile im Überblick (PDF, 695 kB)

* In einer früheren Version des Textes ist das Waldstraßenviertel fälschlicherweise als „Zentrum-West“ bezeichnet worden; es ist aber „Zentrum-Nordwest“. Dadurch waren auch Aussagen zu den Durchschnittseinkommen falsch. Die Fehler sind inzwischen korrigiert.

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